Nach meinem vierwöchigen Freiwilligendienst in Baltimore durfte ich die mir zur Verfügung gestellte Wohnung als „Hauptquartier“ nutzen und pendelte von dort aus für jeweils einige Tage nach Washington und Philadelphia und war zum Wochenende für die Gottesdienste zurück in Baltimore.
Meinen USA-Aufenthalt wollte ich mit der Stadt beenden, die man bei einem Besuch der Ostküste auf jeden Fall gesehen haben muss.
Vorher aber ging ich mit Bischof Wolfgang und seiner Frau Pastorin Margaret, in deren Sommercamp ich mithalf, ihrem Sohn Josef und Jim, einem Mitglieder der Kirchengemeinde, im deutschen Restaurant “Prost” zum Abschied essen.
Außerdem wurde ich nach dem letzten Gottesdienst vor meiner endgültigen Abreise mit einer „Thank you“-Torte überrascht.



New York City
Tag 1:
Eine Zugfahrt von Baltimore nach New York City kostet 70 Dollar und mehr; mit dem Bus allerdings nur 13 Dollar (bzw. 23 Dollar mit 2 Gepäckstücken). Also überlegte ich nicht lange und buchte über Greyhound Express eher unbewusst eine Fahrt mit dem Peter Pan Bus, der Tochterfirma von Greyhound.
So ganz schnell flog dieser natürlich nicht ans Ziel, sodass ich nach knapp 4 Stunden Fahrt in einem unbequemen, engen Bus in New York ankam – nur eine halbe Stunde nachdem die Stadt von einem Erdbeben überrascht wurde! In dem Bus war davon jedenfalls auf der Autobahn nicht viel zu spüren.
Bei einer Naturkatastrophe während meines Aufenthalts sollte es nicht bleiben, aber dazu später…
Vom Busbahnhof musste ich zunächst mit der U-Bahn nach Brooklyn zu meinem Hostel fahren, was mit zwei großen Reisetaschen und einem Rucksack + Laptoptasche auf dem Rücken eine große Herausforderung darstellte, die ich – mit etwas rumfluchen – meisterte.
Eigentlich hoffte ich darauf, über Couch Surfing irgendwo übernachten zu können, habe aber wiedermal feststellen müssen, dass man sich dafür weit über eine Woche vorher bewerben muss. Naja, auf diese Weise zahlte ich – für New York preiswerte – umgerechnet 50 Euro pro Nacht für ein einfaches, aber gemütlichens Hostel, in dem ich nette Reisende kennenlernte.


Als ich in Brooklyn aus der U-Bahn stieg, erwartete mich schon erst mal ein kleiner Kulturschock. Brooklyn ist nicht wirklich DER Touristen-Bezirk und galt früher mal als eine der gefährlicheren Gegenden, die man besser meiden sollte.



Es war schon früher Abend, also entschied ich mich spontan, gemeinsam mit einem anderen Reisenden, den ich gerade erst kennengelernt hatte, über die berühmte Brooklyn-Bridge zu laufen…



… und fuhr im Anschluss mit der U-Bahn alleine zum Times Square. Bilder sagen mehr als tausend Worte:



Natürlich sah ich auch „Naked Cowboy“, wobei ich stark anzweifle, ob das denn der Echte war. Denn der Naked Cowboy, der seit 10 Jahren am Times Square auftritt und übrigens 2012 als US-Präsident kandidert (!), ist ehemaliger Bodybuilder und hat einen besseren Körper, als diese Witzfigur hier:



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Tag 2:
Nach längerer Studie meines Lonely Planet (wofür ich vor meiner Reise keine Zeit hatte), entschloss ich mich, an diesem Tag Lower Manhatten abzugrasen.
Als erstes auf meiner Liste stand die Wall Street, in der sich zahlreiche Banken und die weltgrößte Börse, die New York Stock Exchange, befinden. Außerdem steht dort die Trinity Church, die dem ein oder anderen vielleicht aus dem Film „Vermächtnis der Tempelritter“ bekannt ist.



Nach einem kurzen Spaziergang über den Friedhof aß ich für 5 Dollar einen großen Gyros-Teller auf den Treppen des Federal Hill National Memorial – dem Gebäude, in dem damals George Washington seinen Amtseid als erster Präsident der USA ableistet und die Bill of Rights verabschiedet wurde. Essen kann man in New York auf den Straßen immer gut und günstig bei den sogenannten „Food Trucks“.



Von dort aus lief ich an der berühmten Bronzestatue Wall Street Bull vorbei zum Battery Park, in dem ich zufällig auf das temporäre 9/11 Mahnmal stieß. „The Sphere“, wie sie von den Amerikanern genannt wird, stand einst im Plaza der Zwillingstürme und war ein Zeichen für den Weltfrieden durch Handel. Bei den Anschlägen am 11. September wurde sie zwar stark beschädigt, aber nicht zerstört und ist seitdem Zielort des Gedenkens an die Opfer der Terroranschläge.
Rechtzeitig zur Eröffnung des World Trade Center Memorials wurde sie mittlerweile übrigens zurück zu ihrem ursprünglichen Aufstellungsort gebracht.

Nach einem leckeren Smoothie, den man ebenfalls an vielen kleinen Trucks auf der Straße kaufen kann, nahm ich die (kostenlose!) Staten Island Ferry nach… richtig, Staten Island. Hierbei gilt: der Weg ist das Ziel. Denn auf Staten Island ist neben einem September 11 Memorial und einer netten Promenade nicht wirklich viel zu sehen, jedoch kommt man auf der Überfahrt direkt an der Freiheitsstatue vorbei und hat einen tollen Panorama Blick auf die Skyline New Yorks.



Zurück in Manhattan besuchte ich das 9/11 Memorial Preview Site, also mehr oder weniger das temporäre 9/11 Museum, das über den Bau des – heute fertiggestellten – 9/11 Memorials informiert.
Hier ein Modell:

Außerdem wird ein neues World Trade Center mit dem Namen „Freedom Tower“ gebaut, das bei Fertigstellung mit der Antenne 1776 Fuß hoch sein soll. Na, klingelts bei den Historikern? Richtig, 1776 ist das Jahr, in dem die Unabhängigkeitserklärung der USA unterzeichnet wurde, worüber ich nebenbei bemerkt in meinem letzten Artikel berichtete.
Damit wird das auch „World Trade Center One“ genannte Gebäude rund 100 Meter höher als das Empire State Building und – vielleicht auch ein wenig aus Trotz – 15 Meter höher, als das ehemalige World Trade Center mit Antenne sein.
Und so soll er eines Tages aussehen (der Turm ganz links):


Im Anschluss an das Museum fuhr ich noch mal zum Times Square, um dort im „Planet Hollywood“ meinen im Voraus bestellten New York Pass abzuholen. Mit diesem Pass kann man für 1, 3 oder 5 Tage so ziemlich alle interessanten Sehenswürdigkeiten in New York besichtigen – und zahlt nur ein Mal für den Pass.
Die 125 Dollar (Preise variieren ständig) erschienen mir zwar erst recht viel, rechneten sich aber doch relativ schnell, da man sonst allein schon 50 Dollar blechen muss, um auf die Aussichtsplattform des Empire State Buildings und Rockefeller Centers zu gelangen.
Abends tauschte ich mich im Hostel mit ein paar Reisenden aus, die vorschlugen, dass wir am nächsten Tag doch was zusammen unternehmen sollten…
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Tag 3:
… Gesagt, getan.
Wenn man zu viert ist, dauert es schon mal viel länger, bis man aus dem Haus kommt. Nach einem schnellen Frühstück im Dunkin‘ Donuts war es dann fast Mittag, als wir endlich in der U-Bahn Richtung Manhattan saßen.
Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen, fing es nach ein paar Blocks an, wie aus Eimern zu schütten, sodass wir uns in eine Bank flüchten mussten. Da standen wir also: ein Spanier, ein Pole und zwei Deutsche, die sich nicht entscheiden konnten, was sie denn nun machen wollen – denn die geplante Boots-Rundfahrt konnten wir schon mal sicher streichen…

Über den Hurricane, der die Stadt angeblich zwei bis drei Tage später treffen sollte, war noch nicht viel bekannt, weshalb ich meinen New York Pass unbedingt einlösen und nicht einen weiteren Tag warten wollte. Sprich: ich fühlte mich ein wenig gezwungen, in die etwas teureren Attraktionen zu gehen, damit sich der Pass rentiert; die andern Reisenden hatten den Pass natürlich nicht und wollten nicht so viel ausgeben.
In diesem Moment bereute ich es ein wenig, den Pass gekauft zu haben, da ich nun nicht mehr wirklich flexibel war und es alles kompliziert machte. Sightseeing ist alleine halt doch am einfachsten…
Nach langem hin und her entschieden wir uns, ins MoMa (Museum of Modern Art) zu gehen, wo ich meinen Pass aktivierte und wir uns schließlich doch entschieden, uns zu trennen, damit jeder in seinem eigenen Tempo durchgehen kann.
Nur wenige Blocks entfernt nahm ich am späteren Nachmittag an einer Führung durch die NBC Studios teil, die sehr nett war, aber bestimmt beeindruckender ist, wenn man die ganzen Shows kennt, deren Studios man sieht…

Anschließend lief ich zurück zum MoMa, um dort dem Konzert des Gamelan-Orchesters „Dharma Sware“ zu lauschen. Gamelan ist eine Gruppe von über tausend Jahre alten, traditionellen Musikstilen aus Java und Bali.


Um den Tag abzurunden, fuhr ich danach auf die Aussichtsplattform „Top of the Rock“ des Rockefeller Centers, um von dort aus den Sonnenuntergang zu beobachten und einen atemberaubenden Ausblick über New York zu genießen.



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Tag 4:
Diesen Tag hatte ich ein extrem straffes Programm:
Morgens um 9 Uhr ging es gleich los mit einer geführten Fahrradtour durch den Central Park. Ich muss zugeben, dass ich jetzt gut verstehen kann, warum dieser künstlich angelegte Park oft als friedliche Oase bzw. Rückzugsort im hektischen Betonjungel New York beschrieben wird.
Im Bild rechts ist übrigens der Springbrunnen im „Bethesda Terrace“ zu sehen. Er dürfte aus Filmen wie Stuart Little 2, Kevin allein in New York und Buddy der Weihnachtself bekannt sein. Dies ist übrigens die einzige Stelle im Central Park, an der man keine Hochhäuser im Hintergrund sieht.



Sofort nach der Tour bin ich zur U-Bahn gehetzt, um zum Hudson River zu fahren, von wo aus meine dreistündige Manhattan Sightseeing Cruise in See stach. Erneut passierte ich die Freiheitsstatue und sah Manhattan – wortwörtlich – von allen Seiten. Dadurch wurde mir noch viel bewusster, wie riesig New York City eigentlich ist.



Ohne Pause ging es gleich weiter auf den Flugzeugträger Intrepid, der im Zweiten Weltkrieg und im Vietnamkrieg eingesetzt wurde und heute Hauptbestandteil des „Sea, Air & Space Museums“ ist.
Des Weiteren ist dort ein U-Boot mit (ehemals) atomaren Marschflugkörpern, eine Concord und viele weitere Flugzeuge und Helikopter zu bewundern.
Ein Besuch ist das Museum auf jeden Fall wert!!



Schon in Berlin wollte ich gerne zu der „Körperwelten“-Ausstellung, habe es aber nie geschafft. Deswegen besuchte „Bodys – The Exhibition”, wo der menschliche Körper ebenfalls in einmaliger Weise zu betrachten ist.

Um den Tag komplett auszunutzen, erklomm ich abends das Empire State Building, wie es einst mein Namensbruder King Kong tat. Naja gut, ich nahm den Aufzug…
Die Aussichtsplattform war natürlich stark überfüllt; ein tolles Panorama gab es aber trotzdem.



Nur weil es ohnehin in meinem New York Pass inbegriffen war, probierte ich den „New York Skyride“ aus; eines von diesen Kinos, in denen die Sitze ruckeln und man das Gefühl haben soll, durch New York zu fliegen.
Als Gratis-Unterhaltung war das ganz ok, aber die im Normalfall berechneten 42 Dollar hätte ich niemals dafür bezahlt!
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Tag 5:
Eigentlich hätte ich den gesamten Tag mit meinem New York Pass in Attraktionen gehen können – wäre da nicht Hurricane Irene im Anmarsch gewesen, der zwar erst am nächsten Tag New York treffen sollte, aber trotzdem Ursache dafür war, dass bereits an diesem Tag ab 12 Uhr mittags alle Busse und U-Bahnen stillgelegt wurden, was im Voraus niemand glauben wollte.
Wäre ich also, mal ganz abgesehen vom gegenwärtigen starken Wind und Regen, nach Manhattan gelaufen, hätte ich dort vor geschlossenen Türen gestanden – denn wenn es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, wie sollen dann die Angestellten zur Arbeit kommen?

Somit blieb ich – außer zum Mittagessen in der nahegelegenen Pizzeria – den ganzen Tag im Hostel, wo ich an meinem Laptop arbeitete und mit den anderen Reisenden quatschte.
Abends spielten wir Poker und nannten dies unsere „Hurricane Party“. Darüber berichtete ich bereits in meinem vorletzten Artikel.
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Tag 6:
Da es nichts zu tun gab und man eh nichts machen konnte, schlief ich so lange aus, wie noch nie. Von dem Hurrikane, der schlussendlich ja doch nur ein tropischer Regensturm war, bekam ich gar nichts mit.
Erst beim Frühstück erfuhr ich, dass der Keller nachts knöchelhoch unter Wasser stand und mitten in der Nacht Sandsäcke besorgt werden mussten…
Es blieb bei einem zweiten langweiligen Tag im Hostel, was mir zumindest genug Zeit gab, herauszufinden, wann und wie ich am nächsten Tag zum Flughafen kommen würde.
Ich wusste zwar, dass mein New York Aufenthalt einmalig werde würde, aber mit zwei Naturkatastrophen innerhalb von einer Woche hatte ich dann doch nicht gerechnet…
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Tag 7:
Um 10 Uhr morgens nahmen zum Glück die Öffentlichen Verkehrsmittel ihren Betrieb wieder auf, sodass ich für 5 Dollar noch schnell an einer Walking Tour des „Tribute WTC Visitor Centers“ teilnehmen konnte, auf der ich noch mehr über den Bau des neuen World Trade Centers und die Ereignisse des 11. Septembers erfuhr. Darüber hinaus erzählten uns die zwei freiwilligen Führer, wie sie persönlich 9/11 erlebten.

Im Anschluss gings gleich zurück zum Hostel, um all mein Zeug zu holen und dann mit der U-Bahn zum Busbahnhof zu fahren. Von dort aus soll angeblich alle 15min ein Shuttle für 15 Dollar zum Flughafen Newark fahren. Um nicht unter Zeitdruck zu geraten, plante ich dennoch genügend Zeit ein.
Ich stand in der Warteschlange und der Bus kam und kam nicht. Nach einer Stunde fuhr dann endlich ein Shuttle vor, der aber bereits so voll war, dass nur noch wenige Leute zusteigen konnten. Da kommt man dann schon langsam ins Schwitzen und fängt an, sich mit den anderen Wartenden der Schlange auszutauschen. Einen Zug hätte ich nicht nehmen können, da nach dem Regensturm am Vortag noch einige der Gleise überflutet waren.
Schlussendlich teilte ich mir ein Taxi mit zwei Italienern und einem Kanadier und zahlte 20 Dollar für die Fahrt – also nur 5 Dollar mehr, als mit dem Bus. Wer weiß, wann der gekommen wäre…
Am Flughafen eilte ich zum Check-In, wo mir, nachdem ich in der Warteschlange fast starb, mitgeteilt wurde, dass mein Flug eine Stunde Verspätung hat. Tja, Ende gut, alles gut.
Nach einem Zwischenstopp in Reykjavik (ich flog mit Iceland Express) kam ich – nachdem ich 14 Monate in den USA war, gut am Flughafen Schönefeld an, wo mich meine Schwester bereits mit einem Schild „Dennis King – Hotel Mama“ erwartete…



Somit ging ein spannendes und lehrreiches Auslandsjahr zu Ende.
Mehr abschließende Worte in meinem nächsten und letzten Artikel…
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