Verfasst von: kinginmiami | 2. September 2011

4 Tage in Philadelphia

Georg, einer meiner Blogleser, der damals bereits den Blog meines Bruders las, als dieser einen Freiwilligendienst in Vietnam machte, bot mir an, bei ihm in „Philly“ ein paar Tage zu übernachten, um die Stadt zu besichtigen.
Er ist ein Kinderarzt aus Deutschland, der gemeinsam mit seiner Familie durch ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft bereits seit 2 Jahren in den USA lebt, um dort im Forschungsbereich einer Uni zu arbeiten.
Für günstige 11 Dollar kaufte ich mir ein Greyhound-Busticket und reiste, drei Tage nachdem ich aus Washington D.C. zurück war, zur „City of Brotherly Love“.

Philadelphia:

Tag 1:

Als ich nach zwei Stunden Fahrt am Busbahnhof ankam, wartete Georg bereits auf mich und lief mit mir zum Reading Terminal Market. In dieser Markthalle in einem ehemaligen Bahnhof gibt es neben sämtlichen Nahrungsmitteln wie z.B. Brot, Käse, frischem Obst und Gemüse etc., relativ kostengünstig Speisen zum Mittagessen aus den verschiedensten Ländern zu kaufen.
Wir aßen ein, für Philadelphia berühmtes, Cheesesteak.
Reading Terminal Market in Philadelphia

Danach ging es mit der Straßenbahn zu Georg nach Hause. Ein Gepäckstück leichter und viele Informationen inklusive eines U-Bahn-Plans reicher, machte ich mich abends auf den Weg in die Stadt.
Dort sah ich die winzige, kopfsteingepflasterte Elfreth’s Alley – die älteste ununterbrochen bewohnte Straße der USA. Außerdem lief ich an der Christ Church, in die sich damals George Washington und Benjamin Franklin zum Beten zurück zogen, und dem Betsy Ross House, in dem angeblich die erste amerikanische Flagge genäht wurde, vorbei.
Elfreth’s Alley in PhiladelphiaChrist Church, PhiladelphiaBetsy Ross House, Philadelphia

Den Sonnenuntergang betrachtete ich vom nahegelegenen Penn’s Landing, der Uferpromenade am Delaware River mit Blick auf die Benjamin Fanklin Bridge. Auf dem Weg zur U-Bahn lief ich durch die nachts gut besuchte South Street, in der ich ein Thunfisch-Sandwich in einem Diner aß.
Penn's Landing, PhiladelphiaSouth Street, PhiladelphiaSouth Street, Philadelphia

Zurück in Georgs Haus lernte ich dann auch seine Frau Christine kennen.

Tag 2:

Christine war so nett, mich morgens in das Philadelphia Museum of Art, für das sie eine Jahreskarte hat, mitzunehmen. Dadurch kam ich kostenlos nicht nur in die Haupt-, sondern auch in die Sonderausstellung „Rembrandt and the Face of Jesus“.
In dieser Ausstellung wurden Werke Rembrandts gezeigt, die zu jener Zeit sehr schockierend waren, da viele der Portraits Jesus Christus erstmals mehr als Menschen, denn als Gottheit zeigten. Ich persönlich fand sie zwar ganz interessant, unbedingt gesehen haben muss man sie aber meiner Meinung nach nicht.

Sehenswerter fand ich persönlich mal wieder den Bereich „Modern and Contemporary Art“, obwohl man sich hier doch hin und wieder fragt, ob das Kunst sein soll (siehe Foto ganz rechts)…
Inside the Philadelphia Museum of ArtInside the Philadelphia Museum of ArtInside the Philadelphia Museum of Art - Das ist Kunst?

Vom Haupteingang aus hat man einen tollen Blick über den Benjamin Franklin Parkway und auf die Skyline Philadelphias. Außerdem sind dort die Stufen, die damals Sylvester Stallone im Film „Rocky“ hinauf joggte.
Haupteingang des Philadelphia Museum of ArtBlick vom Haupteingang des Philadelphia Museum of Art auf die Skyline PhiladelphiasBlick vom Haupteingang des Philadelphia Museum of Art auf die Skyline Philadelphias und den Benjamin Franklin Parkway
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Von dort aus lief ich zur Eastern State Penitentiary, der weltweit ersten richtigen Besserungsanstalt, die im Jahr 1829 eröffnet wurde.
Diese wurde absichtlich im Stil einer alten Festung gebaut, um die Bewohner der Stadt von Straftaten abzuschrecken – damals aber noch mit der Idee der totalen Isolierung (und Arbeit) jedes Insassen, wodurch man sich eine reumütige Besserung erhoffte.
Eastern State Penitentiary
Es stellte sich aber schnell heraus, dass dies nicht klappte und es nach kurzer Zeit mehr Inhaftierte, als Zellen gab. An das Gefängnis musste schließlich mehrfach angebaut und mehrere Personen in einer Zelle untergebracht werden, was natürlich auch mehr Probleme und Ausbruchversuche mit sich brachte.

Es war eins der teuersten und am häufigsten kopierten Gefängnisse der jungen USA; mehr als 300 Gefängnisse weltweit basieren auf dessen Grundriss.
Eastern State Penitentiary, PhiladelphiaEastern State Penitentiary, PhiladelphiaPrison cells inside Eastern State Penitentiary, Philadelphia

Ich empfehle auf jeden Fall, an einer der kostenlosen und sehr informativen Führungen teilzunehmen. Teil der Tour ist unter anderem die sehr luxuriös eingerichtete Zelle, in der Al Capone einst für acht Monate sitzen musste und die gefürchtete „Death Row“, in der die Gefangenen mit Todesstrafe untergebracht wurden.
Ein Besuch ist aus meiner Sicht eindeutig die 11 Dollar (mit $1 Coupon) wert.
Ehemalige Zelle von Al Capone im Eastern State Penitentiary, PhiladelphiaDeath Row im Eastern State Penitentiary, PhiladelphiaWatch tower inside Eastern State Penitentiary, Philadelphia
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Anschließend lief ich den Benjamin Franklin Parkway hinunter, machte eine kleine Pause am Logan Square, betrachtete das berühmte „Love“-Symbol am Fairmount Park und traf mich mit Georg im Restaurant „The Melting Pot“ zum Abendessen.
Dort kann man sich wochentags gut das Happy-Hour-Angebot gönnen: Käsefondue mit Brot, Gemüse und Äpfeln, einen Salat und Schokoladenfondue mit Obst und Kuchen für 19 Dollar.
Benjamin Franklin Parkway, PhiladelphiaLogan Square mit Blick auf City Hall, PhiladelphiaLOVE am Fairmount Park, Philadelphia

Danach gingen wir noch in eine Bar mit Live-Jazz Musik.
Live Jazz Music in a bar in Philadelphia

Tag 3:

Gemeinsam mit Georg nahm ich vormittags an einer Walking Tour über die „Murals“, also Kunstwerken an Wänden der Stadt, teil. Philadelphia ist nämlich angeblich auch die „Stadt der Murals“, wobei Georg eher glaubt, dass dieser Titel von den Touristeninformationen erfunden wurde. Wie auch immer.
Das in den 80er Jahren als Anti-Graffiti-Aktion gegründete Mural Arts Program ist heute der größte Arbeitgeber für Künstler in Philadelphia, bietet aber auch Möglichkeiten für soziale Projekte mit Arbeitslosen, Häftlingen und Schülern.
Mural in PhiladelphiaMural in PhiladelphiaMural in Philadelphia, an dem Obdachlose mitgearbeitet haben

Nach der fast 3 ½ stündigen (!) Tour, in der wir nur einige der weit über 2000 Murals sahen, war es Zeit für eine Stärkung. Also gingen wir zum Mittagessen erneut zum Reading Terminal Market.
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Nun war es Zeit für die „bekannten Sehenswürdigkeiten“.
Als Erstes besichtigte ich die Independence Hall, in der am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung der USA unterschrieben wurde. Diese Führung (ohne kommt man gar nicht rein) durch einen Ranger ist kostenlos; die „timed tickets“ müssen aber im Voraus im Independence Visitor Center abgeholt werden.
Obwohl ich eigentlich nicht sehr interessiert an Geschichte bin, war es doch ein besonderes Gefühl, in dem Raum zu stehen, in dem die Unterschriften einiger Männer vor mehr als 200 Jahren über das Schicksal der heutigen USA entschieden.
Independence Hall in PhiladelphiaRanger during free tour in Independence Hall, PhiladelphiaIn diesem Raum der Independence Hall in Philadelphia wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben...
Im Gebäude nebenan, der Congress Hall, tagte der US-Kongress, als Philadelphia von 1790-1800 die Nationalhauptstadt war.

Als Zweites auf dem Plan stand die Liberty Bell.
Historiker und Patrioten werden mich dafür erschlagen, aber dies ist eine langweilige alte Glocke, was die Sicherheitskontrolle fast schonwieder lächerlich machte.
Die 943,5kg schwere Glocke wurde 1751 in London gegossen, wurde dann im Glockenstuhl der heutigen Independence Hall verwahrt und erklang zu wichtigen Ereignissen, z.B. der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung.
Nachdem sie im 19. Jhd. bereits schwer beschädigt wurde, lies man sie 1846 zum Geburtstag George Washingtons schwingen und machte sie damit komplett unbrauchbar.
Liberty Bell inside the Liberty Bell Center in Philadelphia
Heute ist sie im Liberty Bell Center ausgestellt und ist ein internationales Symbol für Frieden – trotzdem ist es nicht mehr als nur eine Glocke… -.-
Für die Amis hat sie jedenfalls einen wirklich hohen patriotischen Wert, weshalb dort täglich viele Menschen hin pilgern.
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Um den Tag komplett auszunutzen, nahm ich abends an einer vom Independence Visitor Center organisierten, kostenlosen Walking Tour durch den Bereich des Independence National Historic Park teil, den ich bisher noch nicht gesehen hatte.

Tag 4:

Da ich meine Rückreise nach Baltimore erst für den Nachmittag gebucht hatte, blieb mir noch die Zeit, um mir etwas zu gönnen, was ich schon immer gerne mochte: Aussichtsplattformen! Ich will immer ganz nach oben (wer meinen Ehrgeiz kennt, weiß, dass das ein wenig zweideutig ist)…
Also ging ich zur City Hall am Penn Square, dem mit 167m höchsten gemauerten Gebäude ohne Stahlträger der Welt. Darauf steht eine 27t schwere Statue von William Penn, unter der sich eine Aussichtsplattform befindet, von der aus man für 5 Dollar einen tollen Panoramablick über die Stadt genießen kann.
City Hall am Penn Square in PhiladelphiaPanoramablick von der Aussichtsplattform der City Hall in PhiladelphiaPanoramablick auf den Fairmount Park und den Benjamin Franklin Parkway von der Aussichtsplattform der City Hall in Philadelphia

Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen bei einem der „food trucks“ nahe der Uni, brachte mich Georg zum Bahnhof, von wo aus mein Bus (dies mal “Megabus” für $16,50) zurück nach Baltimore fuhr.

Damit ging ein sehr netter Besuch bei einer unglaublich
gastfreundlichen Familie zu Ende…
Zu Besuch bei den Stettners
Georg führt auch einen Blog. Wer mehr über seinen USA-Aufenthalt lesen will,
kann das gerne —> hier <— tun.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

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Da ich grad‘ schon mal am Verlinken bin:

Mein Kumpel Steffen macht gerade Work & Travel in Australien und hat dort schon so einiges erlebt. Über seine Abenteuer schreibt er ebenfalls in einem —> Blog <— .
Steffen goes down underSteffen goes down underSteffen goes down under


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