Verfasst von: kinginmiami | 22. August 2011

5 Tage in Washington D.C.

Nach 13 Monaten Freiwilligendienst will ich jetzt nach dem Motto „wenn ich schon mal drüben bin“ noch die wichtigsten Städte der Ostküste der USA sehen.

Als erstes auf meinem Programm stand…

Washington D.C.:

Tag 1:

Von Baltimore nach Washington kann man mit dem MARC Train innerhalb von 45min für gerade mal 7 Dollar reisen. Problemlos an der Union Station in D.C. angekommen, bestaunte ich die Eingangshalle des Bahnhofs und besuchte das Nationale Postmuseum auf der anderen Straßenseite.
Um dort hereinzukommen, muss man durch einen Metall-Detektor laufen und das Gepäck wird wie am Flughafen geröntgt – ich könnte ja ein Terrorist sein, der in der Hauptstadt des mächtigsten Landes der Welt das unglaublich wichtige Postmuseum in die Luft sprengen will…
Washington Union Stationnational post museum, washington D.C.national post museum, washington D.C.

Anschließend nahm ich den günstigen „City Circulator“  (1 Dollar pro Fahrt) in die Stadt zur Kirche, in der ich übernachtete.
Ja, ich übernachtete (kostenlos) in einer Kirche; um genau zu sein im Musikraum, was mir aber nichts ausmachte, da ich wirklich nur zum Schlafen dort war. Als Gegenleistung leistete ich jeden Morgen 1 ½ Stunden Gartenarbeit bzw. jätete Unkraut.
Wolfgang (Bischof von Maryland) war so nett, das für mich zu organisieren.
Luther Place, Washington D.C. at Thomas Circlethomas circle, washington D.C.musikraum im luther place, thomas circle, washington D.C.

Da es schon später Nachmittag war, hatte ich nur noch die Zeit, um auf den Aussichtsturm des „Old Post Office Pavillion“ zu gehen. Dieses kostenlose Erlebnis ist durchaus eine Empfehlung wert. Selbstverständlich musste ich wieder durch einen Metalldetektor und die Tasche wurde kontrolliert.
view from old post office paviliion, washington D.C.view from old post office paviliion, washington D.C.view from old post office paviliion on washington monument, washington D.C.

Nach einem Zwischenstopp beim Navy Denkmal traf ich mich mit einem Couch Surfer (ich habe „Couch Surfing“ bereits in einem früheren Artikel beschrieben) in Chinatown, wo wir gemeinsam Essen gingen.
Danach zeigte er mir die wichtigsten Monumente (und natürlich das Weiße Haus), die nachts mit Scheinwerfern bestrahlt werden und dadurch sehr majestätisch wirken.
Navy Memorial, Washington D.C.Chinatown, Washington D.C.lincoln monument at night, Washington D.C.

Tag 2:

Nach einem gesunden Workout am Morgen (Gartenarbeit ^^) nahm ich an einer drei stündigen Segway Tour teil, die ich schon im Voraus von Baltimore aus gebucht hatte. Das war eine tolle Art, die Stadt zu sehen und ein unvergessliches Fahrvergnügen! Die 63 Dollar (mit Coupon) waren also jeden Cent wert!
segway tour in Washington D.C.Korean war memorial in Washington D.C.WWII Memorial in Washington D.C.

Da es sich anbot, schaute ich im Anschluss in das Reynolds Center for American Art (Eintritt frei), das praktischerweise die National Portrait Gallery und das American Art Museum verbindet. Besonders interessant fand ich den Bereich „Modern and Contemporary Art“ im 3. Stock.
Da alle Museen leider schon um 17 Uhr schließen und ich die Monumente alle gesehen hatte, ging ich halt ins Kino und sah mir Horrible Bosses (deutscher Titel „Kill the Boss“) an – eine wirklich sehr lustige und nicht ganz jugendfreie Komödie!

Tag 3:

Routinemäßig kämpfte ich am Morgen gegen Unkraut und fuhr anschließend mit dem Fahrrad (Capital Bikeshare) zum kostenlosen Holocaust Memorial Museum, in dem ich mal eben 5 Stunden verbrachte. Nicht zu unrecht wurde dieses Museum vom Lonely Planet als absolutes Muss bezeichnet.
Teile der Hauptausstellung sind nicht empfohlen für Kinder unter 11 Jahren; für die gibt es eine andere Ausstellung im gleichen Gebäude.
Wie gewohnt musste ich vor dem Betreten durch Metalldetektoren laufen und meine Tasche wurde geröntgt. Ausnahme war aber, dass das Sicherheitspersonal hier deutlich ernster/steifer war, was eine bedrückende Atmosphäre erzeugte.
capital bike share Washington D.C.capital bike share Washington D.C. map

Abends nahm ich dann wieder das Rad zu dem kleinen französischen Restaurant „Bistro Du Coin“ nahe des für das Kulinarische bekannte Dupont Circle, in dem ich mich mit anderen Couch Surfern traf.  Mein überbackenes Gratin war zwar recht teuer, schmeckte dafür aber sehr gut.
CouchSurfing_logo
An einem Couch Surfing Event teilzunehmen war durchaus eine Erfahrung wert, würde ich aber nicht noch mal machen. Nachdem ich ständig überall der Neue war, macht es einfach keinen Spaß mehr, diese oberflächlichen Unterhaltungen zu führen, in denen man beschreibt, wer man ist, was man in den USA macht etc.
Die Antworten könnte ich mir mittlerweile auf mein T-Shirt schreiben; das würde Zeit sparen. Außerdem ist es sehr anstrengend, bei einer gewissen Lautstärke Unterhaltungen mit mehreren Leuten am Tisch zu führen…

Tag 4:

Wer hat nicht schon mal vom großen Reichtum geträumt? Um zumindest zu sehen, wo die ganzen Geldscheine hergestellt werden, lief ich zur größten Geldruckerei in den USA: dem Bureau of Engraving & Printing.
Um an einer der kostenlosen 30 minütigen Touren teilzunehmen, muss man sich ein zeitgebundenes Ticket holen, was man so früh wie möglich machen sollte. Da das gleiche für das Washington Monument gilt, lief ich während meiner Wartezeit dort hin, um mir ein Ticket zu ergattern und besuchte das sehenswerte Hirshhorn Museum auf der National Mall.
national bureau of printing and engravingart in the Hirshhorn museum in Washington D.C.art in the Hirshhorn museum in Washington D.C.

Um 15:15 Uhr durfte ich dann – verständlicherweise nach dem Gang durch den Metalldetektor – endlich stapelweise Geldnoten, Druckmaschinen und den noch nicht veröffentlichten neuen 100 Dollar Schein sehen. Natürlich wurde man die gesamte Zeit von Videokameras überwacht und das Fotografieren war strengstens verboten.

Als sei ich noch nicht genug gelaufen, marschierte ich als Nächstes zum John F. Kennedy Center for the Performing Arts, das sich selbst als „lebendes Denkmal Kennedys“ bezeichnet. Es präsentiert für die jährlich über 2 Mio Besucher mehr als 2000 Vorstellungen aus den Bereichen Theater und Musical, Tanz und Ballett, Orchester und Kammermusik, Jazz, Pop und Volksmusik; Festivals, Veranstaltungen und vieles mehr.
inside the john f. kennedy center for the performing arts in Washington D.C.
Nach einer Führung durch das Gebäude inklusive des Opernraums und der Dachterrasse hörte ich mir um 18 Uhr ein kostenloses Konzert der Gruppe „Electric Junkyard Gamelan“, die ihre eigenen Instrumente aus Müll; z.B. einer Harfe aus Gummi-Bändern herstellen, an.
Das Kennedy Center bietet auf der Millennium-Bühne an 365 Tagen im Jahr kostenfreie Frühabend-Vorstellungen an.
Electric Junkyard Gamelan in the John F. Kennedy Center for the performing Arts, Washington D.C.instruments of Electric Junkyard Gamelan in the John F. Kennedy Center for the performing Arts, Washington D.C.instruments of Electric Junkyard Gamelan in the John F. Kennedy Center for the performing Arts, Washington D.C.

Zu guter Letzt lief ich zurück zum Washington Monument, um (mit dem am Morgen geholten Ticket) mal wieder durch einen Metalldetektor zu laufen und natürlich auf den Aussichtspunkt nach oben zu fahren.
Auf dem Weg dorthin lief ich zufällig in eine der entgeltfreien Führungen der Ranger über das Vietnam Veteranen Denkmal.
washington monument at night; Washington D.C.vietnam veterans memorial, washington D.C.washington monument at night; Washington D.C.

Im Five Guys Restaurant traf ich mich dann noch mit Joseph (der Couch Surfer, den ich bereits am ersten Tag traf) zum Burger essen und wanderte mit Plattfüßen erschöpft zurück zur Kirche.
Insgesamt bin ich laut Google Earth an diesem Tag 13km gelaufen…

Tag 5:

Mit der U-Bahn ging es am letzten Tag zum U.S. Capitol, in dem seit 1800 die beiden Kammern des Parlaments der Vereinigten Staaten, der Kongress, die Gesetze des Landes beraten und verabschieden.
Hier waren die Sicherheitsvorkehrungen am höchsten: es dürfen keine Getränke (selbst geschlossene Flaschen!) oder Lebensmittel mitgebracht werden, man muss durch den Metalldetektor und die Tasche wird geröntgt.
subway in Washington D.C.capitol building in Washington D.C.capitol building in Washington D.C.
Jeder Teilnehmer der (kostenlosen) Führung erhielt Kopfhörer, sodass der Tourguide mit ruhiger Stimme in sein Kragenmikrofon sprechen konnte und nicht schreien musste.
Unser Führer (natürlich nicht DER Führer – diese Zeiten sind ein Glück vorbei…) war ein sehr gebildeter älterer Herr, der beeindruckender Weise die Sprache aller Teilnehmer sprach (Französisch, Deutsch, Polnisch, Spanisch, Vietnamesisch, Italienisch, Englisch) und die Informationen mit Humor vermittelte.

Ich persönlich muss allerdings sagen, dass ich die Tour nicht sehr überwältigend fand, da man in die richtig interessanten Räume ja doch nicht rein kommt…
dome inside the capitol building in Washington D.C.inside the capitol building in Washington D.C.dome inside the capitol building in Washington D.C.

Bevor ich mit der U-Bahn zurück zur Kirche fuhr, schaute ich noch schnell ins Visitor Center der Library of Congress, der größten Bibliothek der Welt.
Da die blöde Übersichtskarte, die man erhält, so unglaublich unübersichtlich gemacht ist, wurde ich richtig wütend und musste das Gebäude schnell wieder verlassen, bevor ich schlechte Laune bekam. Naja, dadurch habe ich Zeit gewonnen und konnte bei Starbucks noch schnell einen Eiskaffee genießen.

Von der Kirche ging es dann mit dem City Circulator wieder zurück zum Bahnhof und von dort mit dem Amtrack Zug für diesmal 15 Dollar nach Baltimore.
union train station in Washington D.C.in front of union train station in Washington D.C.

Alles in allem hatte ich fünf sehr schöne und vor allem kostengünstige Tage in Washington. Es ist wirklich ein großer Pluspunkt, dass dort alle Museen (außer den touristischen wie dem Newseum oder dem Museum of Crime and Punishment etc.) kostenlos sind.

Sehr futuristisch fand ich die “Self Checkout” Automaten im Geschäft “CVS”.
Ich fragte eine der Angestellten, ob sie dadurch ihren Arbeitsplatz gefährdet sieht, was sie ganz klar verneinte. “Diese Maschinen beschäftigen uns viel mehr, als dass sie uns entlasten, da ständig Kunden Probleme mit ihnen haben”, sagte sie. Noch übernehmen die Maschinen also noch nicht…
Ich fand sie jedenfalls ganz praktisch und bedienungsfreundlich.
self checkout in cvs pharmacy in Washington D.C.

Welche Stadt ich als Nächstes besuchte wird im nächsten Artikel zu lesen sein…


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