Wow, jetzt habe ich schon seit einem Monat keinen Bericht mehr geschrieben. In der Zwischenzeit ist natürlich viel passiert…:
„Summer Program“ der Kirche
Vacation Bible School (VBS):
Das fünftägige Bibel-Ferienlager der Kirche startete morgens um 9 Uhr und endete bereits um 13 Uhr – was für mich erst mal nach wenig Arbeit klang, da ich ja aus Miami gewohnt war, täglich 8-9 Stunden zu arbeiten.
Allerdings war ich gemeinsam mit Pat (einer sehr netten, liebevollen Rentnerin) für eine der drei Bastelgruppen eingeteilt, was jeden Tag viel Vor- und Nachbereitungszeit in Anspruch nahm.


Morgens ging es erst mal los mit Frühstück für die Kinder, danach erzählte die Pastorin (Margaret) eine Bibel-Geschichte (meist interaktiv, sodass die Kinder die Geschichte nachspielen durften etc.) und dann wurde ein wenig gesungen. Darauf musste ich mich am Klavier natürlich auch einige Tage im Voraus vorbereiten.
Anschließend wurden die Kinder in Gruppen aufgeteilt (wie gesagt, eine der Gruppen leiteten Pat und ich).



Als Abschluss standen Gruppen- bzw. Anti-Bullying-Spiele und -Übungen auf dem Tagesplan.



Insgesamt hatten wir ca. 25 Teilnehmer im Alter von 5 bis 12 Jahren. Im Vergleich zum Kinderheim in Miami hielt sich Fehlverhalten der Kinder wirklich enorm in Grenzen. Die meisten von ihnen kamen aus Mittelstands-Familien und sind daher natürlich nicht vergleichbar mit den Pflegekindern, die ich ein Jahr lang betreute.
Unsere sechs jugendlichen Helfer waren bemüht, mussten aber immer direkt zum Helfen aufgefordert werden bzw. brauchten genaue Anweisungen.
Am Sonntag nach dem Camp präsentierten wir im Gottesdienst drei der einstudierten Lieder. Traurigerweise erschienen dafür aber nur fünf der 25 Kinder! Wer sich wundert warum im zweiten Song die Personen auf der Bühne so lange rumstehen: Ich singe die Strophen und die Gruppe singt mit mir den Refrain.
Im Video bin ich nicht zu sehen, da ich am Klavier sitze…
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Music Camp:
Der Ablaufplan war dem ersten Camp sehr ähnlich: Frühstück, Bibelgeschichte, gemeinsam singen, Aufteilung in Gruppen und schließlich (manchmal musikalische) Gruppenspiele.
Allerdings wurden dafür Uriah und Natascha, zwei Grundschulmusiklehrer, engagiert.


Der Unterschied zum Bibel-Lager war natürlich auch, dass in den Kleingruppen musiziert und nicht gebastelt wurde. In dieser Zeit half ich ausschließlich Uriah, was ich sehr genoss, da er ein talentierter Lehrer ist und ich mir viel von ihm abgucken konnte. Ein weiterer Grund dafür war, dass Uriah zum Auftritt am folgenden Sonntag nicht kommen konnte, sodass ich seine Gruppe bei der Performance leiten musste.



Innerhalb von fünf Tagen, in denen viel Zeit für Frühstück, Bibelgeschichte und Spiele draufgeht, kann man natürlich nicht viel einstudieren. Außerdem unternahmen wir an einem Tag einen netten Ausflug zum nahegelegenen Park.

So, da ich jetzt eure Erwartungen hoffentlich etwas reduziert habe, hier zwei kurze Videos der Aufführung (wie in der Vorwoche erschien leider nur die Hälfte der Kinder). Eigentlich sollten die Kindern tanzen UND singen, aber letzteres haben sie wohl vergessen…
Video Camp:
Für mich am zeitintensivsten war das fünftägige Videocamp (von 9 – 14 Uhr) mit 12 Jugendlichen aus der 7., 8. und 9. Klasse.
Für den ersten Tag schlug ich der Pastorin einen Ablaufplan vor, danach arbeiteten wir ihn für den Folgetag immer gemeinsam aus und ich erstellte eine Worddatei am Computer, um den Plan dann für alle Teilnehmer auszudrucken.
Außerdem musste ich viel recherchieren, vorbereiten und Handouts erstellen.
Ganz davon abgesehen kostete es mich Stunden, die Handbücher der beiden Camcorder, die mir gestellt wurden, durchzulesen und herauszufinden, wie ich die Videodateien von den Kameras auf den PC übertrage (klingt leichter als gedacht, aber eine der Kameras nimmt auf DVD auf und dann funktioniert natürlich „Drag and Drop“ nicht, sondern man benötigt eine spezielle Software, die ich nicht hatte) und in meinem Bearbeitungsprogramm öffne.
Nachdem ich den Kindern beibrachte, wie man mit den Kameras umgeht, welche (Kamera)perspektiven es gibt und worauf beim Drehbuchschreiben geachtet werden muss, entschieden wir uns als Gruppe für das Genre unseres Films und natürlich die Story.
Schnell stellte sich heraus, dass einige der Mädchen überhaupt kein Interesse am Camp hatten, sondern von ihren Eltern geschickt wurden – das machte das Ganze nicht wirklich leichter…
Als wäre das nicht genug, hatte einer der Jungen ADHS (Aufmerksamkeits-defizit-/Hyperaktivitätsstörung), was wir in aller Intensität zu spüren bekamen, weil er die ersten zwei Tage absichtlich seine Pillen nicht nahm. Man kann sich also vorstellen, dass dieses Camp ein wenig anstrengender war.
Für den dritten Tag lud ich einen unabhängigen Filmemacher aus Baltimore in die Kirche ein. Dieser erzählte den Jugendlichen über seinen Beruf, beantwortete Fragen und zeigte zwei seiner Kurz-Dokus.
Zeit zum eigentlichen Drehen hatten wir erst am vierten und fünften Tag. Geschnitten und bearbeitet habe ich das Video den gesamten Freitagnachmittag und Samstag (mit Hilfe eines der Jugendlichen), um den Kurzfilm am Sonntag der Kirchengemeinde zu präsentieren:
Von links nach rechts:
Pastorin Margaret, Jim und Lynn waren in jedem Camp mit dabei. Mit Pat arbeitete ich zusammen im Bibel-Lager…

Ansichten Baptisten vs. Lutheraner
Nachdem ich viele Unterhaltungen mit der Pastorin (Margaret) und ihrem Mann Wolfgang (dem Bischof) hatte, habe ich festgestellt, dass es doch so einige Unterschiede zwischen den Ansichten von Baptisten und Lutheranern gibt.
Die größte Meinungsverschiedenheit ist folgende:
Himmel und Erlösung:
Wie damals in meinem Artikel beschrieben, sprechen die Baptisten (und Evangelen) ständig von „accepting Christ“ und „being saved“. Sie glauben, dass Jesus für jeden Menschen am Kreuz gestorben ist, man aber dieses Geschenk bewusst annehmen muss, indem man laut ausspricht, dass man Jesus als persönlichen Herr und Erlöser anerkennt, schwört, für ihn zu leben und ihn um Vergebung für alle begangenen Sünden bittet.
In diesem Moment kommt der „Heilige Geist“ in den Menschen und wenn man stirbt kommt man in den Himmel. Macht man das nicht, brennt man für die Ewigkeit in der Hölle – selbst wenn man generell an Gott glaubt und ein guter Mensch war.
Die Lutheraner glauben jedoch, dass Jesus bereits für die Erlösung von jedem Menschen gestorben ist und man nichts tun kann, was einem mehr oder weniger Erlösung bringt.
So etwas wie „being saved“ gibt es hier nicht. Was natürlich nicht heißt, dass Jesus von jedem Menschen gebraucht wird, da niemand perfekt ist!
Bei einem Punkt sind sich alle Lutheraner einig: Man sollte sein Leben so gut wie möglich leben und jeden Tag wie Jesus handeln, denn am Ende ist es Gott, der entscheidet, was mit einem passiert. Bevor wir sterben, wird es aber niemand genau wissen.
Der Bischof ist sogar skeptisch darüber, was die Existenz einer Hölle betrifft!
Und was passiert mit den Nicht-Christen? Wolfgang erklärte mir eine Metapher, die er sehr überzeugend findet:
Angenommen, Gott sitzt hoch oben auf einem Berg. Die Christen steigen den Berg von einer Seite hoch, die Juden von einer anderen Seite, die Moslems wiederum von einer anderen Seite, etc., also schließlich zu dem EINEN Gott.
Wenn Gott die Menschen so sehr liebt, warum würde er dann erlauben, dass der Großteil der Menschheit in der Hölle leiden muss? Jesus hat niemanden abgewiesen; weder Prostituierte, noch Bettler und er liebte Verschiedenheit (diversity).
Warum also nicht eine Vielfalt von Menschen im Königreich begrüßen?

Wie man sieht, wurde in Maryland ein sehr liberaler Bischof gewählt.
Und ich muss sagen, dass ich persönlich die Ansicht der Lutheraner wahrscheinlicher finde. Dass angeblich alle Menschen außer den „erlösten“ Christen in die Hölle kommen, kritisierte ich bereits damals in meinem Artikel über Baptisten/Evangelen…
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Hallo Dennis, die Metapher des Bischofs ist genial und hat den Kern der Sache erfasst, ein wunderschönes Bild!
Ich gratuliere auch noch herzlich zum erwünschten Studienplatz, Glückwunsch!
Liebe Grüße
Sabine
Von: Sabine am 16. August 2011
um 10:11