Nachdem ich bereits seit fast einem halben Jahr auf dem Campus des Kinderheims lebte, der Freiwilligendienst in der Schule doch jeden Tag ziemlich gleich ist und mir die Abhängigkeit von anderen Personen ziemlich auf die Nerven ging, hatte ich das dringende Bedürfnis, für ein paar Tage zu verreisen und mal etwas ganz Anderes zu sehen.
Erst dachte ich an die Bahamas, aber die Pläne habe ich auf Grund des kühlen Wetters schnell wieder verworfen. Dann fiel mir spontan ein, dass die Geburtsstadt des Jazz gar nicht so weit von mir entfernt liegt. Gerade mal fünf Tage später saß ich schon im Flieger nach New Orleans:
Tag 1:
Ein Freund aus der Kirche war so nett und hat mich nachts um halb Vier zum Flughafen gefahren. Pünktlich kam ich in meinem Zwischenstopp in Charlotte, North Carolina, an und stieg ins nächste Flugzeug. Eine Stunde später als geplant verließen wir endlich das Gate und mussten zum Enteisen aufs Feld (es lag sogar Schnee). Danach ging es zurück zum Gate, wo uns nach einer weiteren Stunde mitgeteilt wurde: „Ladies and Gentlemen, we are very sorry to tell you, but your flight has just been canceled.“


Nach zwei Stunden in einer Warteschlange wurde ich schließlich nach Memphis mit Verbindungsflug nach New Orleans umgebucht. Ich hatte aber Glück im Unglück, da wortwörtlich die Person nach mir keinen Flug mehr am selben Tag bekommen hatte und für 2 Nächte ins Hotel musste.
Nachdem ich zwei verschiedene Nachtbusse nahm, kam ich um 23:30 Uhr endlich in meinem Backpacker-Hostel an – 12 Stunden später als geplant!


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Tag 2:
Ein Filmemacher und sein Sohn aus Mississippi haben mich zu einem amerikanischen Frühstück in der Bar „Déjà-vu“ im berühmten French Quarter, dem ältesten Bezirk von New Orleans, eingeladen. Danach wurde ich von ihnen zum Jackson Square, dem Herzen des Bezirks geführt, wo wir uns trennten und ich auf die “Young Fellas Brass Band” stieß. Die Musik war so gut, dass ich dort eine Stunde lang in der Sonne saß und meine Entscheidungsfreiheit genoss. In diesem Moment wusste ich, warum mir einer der Hauseltern empfohlen hatte, alleine zu verreisen.


Im Internet wird davor gewarnt, dass es in New Orleans einige Betrüger gibt, die mit Touristen um Geld wetten, dass sie erraten können, wo sie ihre Schuhe (her) haben. Falls man darauf eingeht, sagen sie: „You got them on your feet” und verlangen das Geld. Als ich am Ufer war, wurde ich natürlich sofort von jemandem mit diesem Trick angequatscht, allerdings wusste ich, das Angebot abzulehnen.
Nachmittags war ich auf einem Dampfer mit Live-Pianisten auf dem Mississippi-River, was mir u. A. die Gelegenheit gab, die Skyline der Stadt zu sehen.



Am Abend bin ich mit ein paar anderen Reisenden aus dem Hostel in eine Bar mit Live-Band in der Frenchmen Street gegangen. In dieser Straße befinden sich die guten Bars, in die die Einheimischen gehen. Auf dem Weg zurück sind wir durch die Bourbon Street, die durch ihre Bars und Nachtclubs wohl die bekannteste Straße der Stadt ist, gelaufen.



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Tag 3:
Da ich nur wenige Tage in New Orleans hatte, habe ich mir eine Stadtrundfahrt gegönnt. Im klimatisierten Bus mit großen Fenstern ging es zunächst in den Garden District, in dem alte Villen im Wert von Millionen Dollar zu sehen sind.

Danach fuhren wir durch den Historic District und Warehouse District und besichtigten einen Friedhof, auch „City of the dead“ genannt. Warum der Name? Diese Frage dürfte das Foto eigentlich beantworten. In New Orleans kann es viel regnen und Überflutungen geben. Als in der Vergangenheit Leichen unter der Erde begraben wurden, spülte das Wasser sie immer an die Oberfläche. Es folgten viele Versuche; sogar die Leichen an die Särge zu nageln – allerdings vergeblich. Also entschied man sich für eine oberirdische Bestattung. Durch die vielen kleinen Häuschen sehen die Friedhöfe aus wie kleine Städte…


Nach einem kurzen Stopp im City Park, der flächenmäßig größer als der Central Park in New York ist, fuhren wir zum Lower 9th Ward – einem der Bezirke, in dem Hurrikane Katrina 2005 den meisten Schaden angerichtet hatte. Dort stehen mittlerweile wieder einige Häuser, die größtenteils von der „Make it right“ Organisation (gegründet von Brad Pitt) in einem futuristischen Stil erbaut wurden.



Nach der Tour habe ich mich im French Quarter absetzen und dort von einem zum nächsten Straßenmusiker treiben lassen. Abends hat mich ein Einheimischer, den ich im Flugzeug kennen gelernt hatte, in die “Maple Leaf” Bar mit Live-Musik eingeladen.



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Tag 4:
Nach einer langen Nacht, in der ich eine gefühlte Stunde auf die nicht ganz so zuverlässige Straßenbahn wartete, gönnte ich mir ein wenig Schlaf. Mittags nahm ich die Tram zur Canal Street, von wo ich gemütlich zum Jackson Square und dann zum French Market gelaufen bin. Der Markt ist größtenteils eher für die Touristen. Dort verkaufen Händler Klamotten, Uhren und Schmuck; aber auch Künstler präsentieren ihre neusten Werke.



Zum Abendbrot hatte ich ein traditionelles „Poboy“ (belegtes Baguette) mit Katzenfisch. Ich plante eigentlich gar nicht, in dem Café zu essen, aber die tolle Live-Musik zog mich einfach an. Ich saß dort schließlich für 2 Stunden, um den Musikern zuzuhören, die im halb leeren Café praktisch nur noch für mich spielten.


Anschließend nahm ich eine historische Nachttour durch den French Quarter. Der Führer erzählte uns von Legenden, angeblichen Geistern und zeigte uns Häuser, in denen es spuken soll und etliche Mieter nach kurzer Zeit kündigten. New Orleans ist eine der ältesten Städte der USA und hat daher schon viel durchgemacht: Seuchen, Überflutungen, Feuer. Als die Afrikaner als Sklaven nach Louisiana gebracht wurden, hatte das nicht nur den Jazz, sondern auch Voodoo-Priester zur Folge. Kein Wunder also, dass es so viele „Haunted Tours“ in New Orleans gibt.
Als Abschluss meines Aufenthalts ging ich abends in ein zweistündiges Konzert von “Uptown Jazz Orechestra” im Jazz Harbor Jazz Bistro. Für gerade mal 15 Dollar war es das wirklich wert!

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Tag 5:
Da mein Flug bereits um 16 Uhr abflog und ich rechtzeitig am Flughafen sein wollte, hatte ich nicht viel vom Tag. Dieses Mal bin ich ohne Umwege in Charlotte gelandet. Ich schaute auf meine Uhr und sah, dass ich ganze zwei Stunden rumkriegen muss. Also lief ich ein wenig im Terminal herum und aß eine Pizza.
Als ich dann an den Schalter zum Boarding ging, wurde mir gesagt: „Miami has already left“. Ich hatte meinen Flug verpasst! Erst in diesem Moment realisierte ich, dass ich die eine Stunde Zeitunterschied zwischen New Orleans und Charlotte ganz vergessen hatte.
Der nächste Flieger nach Miami ging erst am nächsten Morgen. Zufälligerweise sah ich, dass am selben Abend ein Flugzeug nach „Fort Lauderdale“ flog, was praktisch Miami ist. Da dieser Flug aber bereits ausgebucht war, bekam ich ein „Standby“-Ticket, was bedeutet, dass man fliegen kann, falls jemand nicht aufkreuzt oder kurzfristig absagt. Glücklicherweise wurde aber mein Name aufgerufen und ich bekam ein Ticket.
In Fort Lauderdale holte mich ein Freund von der Kirche ab, der mich mit den Worten „Welcome Home“ begrüßte, als ich ins Auto stieg.
New Orleans ist Amerikas unvergleichliches europäisches Meisterwerk und wirklich die Stadt des Jazz! Auf den Straßen findet man tolle Musiker und in unzähligen Cafés, Restaurants und Bars spielen Live-Bands. Ein Besuch kann ich jedem empfehlen!
Wie immer habe ich in meinem Fotoalbum noch viele weitere Bilder hochgeladen!
Hier ein kleiner Zusammenschnitt der Musik, die ich vor Ort genießen durfte:








Gefällt mir, deinen Arbeit… bist ja ein richtiger Kinderpsychologe geworden
Von: Diana Strack am 21. Februar 2011
um 17:55