Verfasst von: kinginmiami | 8. Dezember 2010

Thanksgiving, Black Friday, Winter

Thanksgiving
Jedes Jahr am vierten Donnerstag des Monats November wird in den USA „Thanksgiving“ gefeiert. An diesem Tag kommt die gesamte Familie zusammen; oft werden auch Freunde eingeladen. Dabei steht eine große Mahlzeit, meist das Abendessen, im Mittelpunkt. Für alle Familien ist dies das wichtigste Fest des Jahres. Demnach kommt es an den Tagen vorher auf den Flughäfen und Straßen des Landes zu einem weitaus größeren Verkehrsaufkommen, als zu irgendeiner anderen Jahreszeit.
Am Morgen von Thanksgiving hat mich eine Familie aus meiner Kirche spontan angerufen und zu ihrer Feier eingeladen. Natürlich gab es traditionell Truthahn, „stuffing“, Kartoffelbrei, Preiselbeersoße, Schinken, Süßkartoffeln, Mais und zum Nachtisch Kürbiskuchen (schmeckt besser als erwartet). Vor dem Essen sagt jede einzelne Person, wofür sie in diesem Jahr besonders dankbar ist und dann wird das Tischgebet gesprochen.
thanksgiving familythanksgiving food

Wo liegt der Ursprung?
Nachdem die Pilgerväter bei Plymouth Rock in Massachusetts 1621 strandeten, halfen ihnen die Wampanoag-Indianer, das Land zu kultivieren und Fische zu fangen. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit organisierten die Pilger ein großes Fest ähnlich der Erntedankfeste, die zur selben Jahreszeit in Europa bereits Brauch waren. Ohne die Hilfe der Indianer hätten sie den harten folgenden Winter nämlich nicht überlebt…

Am letzten Schultag haben die Lehrer und Angestellten ein Thanksgiving-Mittagessen veranstaltet. Für das „Buffet“ musste jeder etwas zu Essen bringen – was als „Potluck“ bezeichnet wird. Das heißt aber nicht, dass man es selbst zubereiten muss: ohne Scham wurden viele Sachen gekauft und in den Plastikbehältern auf den Tisch gestellt: vom Kartoffelbrei bis zum Truthahn, dem Kartoffelsalat und Kuchen; das frittierte Hühnchen war sogar noch in der „Kentucky Fried Chicken“(KFC)-Box.
thanks giving school

Bei der Weihnachtsfeier aller College-Gruppen in der IBB-Kirche herrschte das gleiche Prinzip. Viele Leute trugen ein feines Hemd und eine Stoffhose; es war ein sehr schicker Abend. Auf dem Buffet-Tisch sah man dennoch lauter Plastikboxen und Verpackungen. Der Schokoladen-Pudding, den ich brachte, war neben ein paar Keksen das einzige „selbst gemachte“ Dessert. Ich ärger mich immer noch, dass ich dieses Bild mit meiner Kamera nicht festgehalten habe.

Black Friday


Dieses Video wurde in den USA am „Black Friday“, dem Freitag nach Thanksgiving, aufgenommen. An diesem Tag, der offiziell als Beginn der Weihnachtseinkaufssaison gilt, öffnen viele Läden und Handelsketten schon um 4 Uhr morgens mit günstigen Angeboten – vergleichbar mit unserem Sonderschlussverkauf. Bereits am Tag vorher sind endlose Schlangen um Läden wie „Walmart“, „Best Buy“ oder „Toys ‘R Us“ zu sehen; manche Leute schlagen sogar Zelte auf.
Ich habe mir das so früh morgens natürlich nicht angetan und bin nachmittags mit einer anderen Freiwilligen, die hin und wieder in den Familien auf dem Campus hilft, in ein Einkaufscenter gegangen. In den Klamotten-Läden war es schon sichtbar, dass dort eine Masse gewütet hatte, aber überfüllt war es nicht mehr. Ich habe jedenfalls eine gute Jeans für $20 (= 15 Euro) anstatt $50 und ein Paar Schuhe abgegriffen…

Über die Herkunft des Namens gibt es mehrere Theorien, wobei eine am wahrscheinlichsten ist: viele Geschäfte machen in der meisten Zeit des Jahres eher finanzielle Verluste (Januar bis November) und während der Urlaubszeit ihre Gewinne; beginnend am Tag nach Thanksgiving. Traditionell verwenden Buchhalter rote Tinte für negative und schwarze Tinte für positive Umsätze. Black Friday ist also der Tag, ab dem die Geschäfte „schwarze Zahlen schreiben“ und gemeinsam mit dem Samstag vor Weihnachten einer der wichtigsten Shopping-Tage des Jahres.

Schwitzen im Paradies?
Miami, das immer warme, tropische Paradies? Nein, hier ist diese Woche der Winter angekommen! Bei 12°C und einem frischem Wind war es am Montag Morgen wirklich kalt und selbst am Nachmittag musste man einen Pulli anbehalten. Gestern war es sogar noch kälter: morgens gefühlte 5°C bei rund 20km/h Windgeschwindigkeit!! Ja, ich weiß, im Gegenteil zu Deutschland dürfte ich mich eigentlich trotzdem nicht beschweren… ;)

Nachdem ich übrigens in vier Monaten Schule drei Mal krank geworden bin (also nicht so krank, dass ich mich hinlegen musste, aber ich hatte Kopfschmerzen, eine laufende Nase und war sehr schwach), kaufte ich mir schließlich in „VitaminWorld“ pflanzliche Pillen zur Stärkung des Immunsystems. In den Klassenräumen befindet sich ständig mindestens ein krankes Kind. Die Eltern (der Kinder, die nicht im Kinderheim wohnen) schicken sie aber meist trotzdem zur Schule, weil sie sie loswerden wollen. Klingt traurig, ist aber so.
Dazu kommt noch, dass im Sommer und Herbst ein starker Temperaturunterschied zwischen den Klassenräumen und dem Schulhof herrschte, sodass man von kalt nach heiß und zurück von heiß nach kalt ging. Wegen der schwülen Hitze konnten wir noch nicht einmal lüften, um die Bakterien loszuwerden – das Glas Orangensaft am Morgen ist da einfach nicht mehr ausreichend…


Sonstiges:
Ende November habe ich mich mit meiner College-Gruppe von der IBB-Kirche zu einem kleinen Barbecue getroffen. Natürlich gab es wieder Hamburger und kolumbianische Hotdogs. Wir machen jetzt eine kleine „Weihnachtspause“ und treffen uns erst im Januar wieder…
IBB college group


Antworten

  1. Hallo Dennis,
    vielen Dank für die interessanten Hintergründe von Thanksgiving und Black Friday! Der turkey mit stuffing erinnert mich stark an den Truthahn, mit dem Mr.Bean mal in einem Film gekämpft hat!
    Ich wünsche Dir noch eine sehr schöne Adventszeit und bin gespannt, wie Du das Weihnachtsfest in Miami erleben wirst.
    Herzliche Grüße!
    Sabine

  2. Hi Dennis,

    Du machst echt einen wichtigen Job. Aber sei vorsichtig mit Pauschalisierungen.

    “In den Klassenräumen befindet sich ständig mindestens ein krankes Kind. Die Eltern (der Kinder, die nicht im Kinderheim wohnen) schicken sie aber meist trotzdem zur Schule, weil sie sie loswerden wollen. Klingt traurig, ist aber so.”

    Wahrscheinlich hast Du Recht. Trotzdem: Jede Familie hat ihr mehr oder weniger funktionierendes Alltagsgefuege. Wenn da ein Kind krank wird, ist das haeufig alles andere als einfach. Das kann man wahrscheinlich erst nachvollziehen, wenn man selbst Kinder hat und jenseits von Schul-/Ausbildungs-/Unileben angekommen ist, und ist voellig unabhaengig vom Sozialstatus. Selbst bei uns (wir koennen uns den Luxus erlauben, mit einem Elternteil ueberwiegend fuer das Kind dazusein), wird es schwierig, alles umzuorganisieren, auf die wenigen persoenlichen Freiraeume zu verzichten, die Eltern mit Kindern manchmal nur haben, eine Betreuung zu finden etc., wenn ein Kind krank wird.

    Viele Gruesse nach Miami,
    Georg

    • Hey Georg,

      danke für den Tip. Ich möchte nicht zu sehr pauschalisieren, habe deswegen auch “nur” das Wort “meist” verwendet. Ich kann schon nachvollziehen, dass es schwer ist, spontan eine Betreuung zu finden. Miami Gardens ist aber wirklich einer der Bezirke, in dem du dich im dunkeln nicht alleine rumtreiben solltest. Demnach sind die meisten unserer Kinder so rotz frech (ich rede auch von den Jugendlichen), dass man die Eltern schon fast verstehen kann. Wenn mein Kind aber bereits morgens Durchfall hat, sehe ich keinen Grund, es trotzdem zur Schule zu schicken, sodass es den ganzen Tag bei uns im Lehrerzimmer auf der Couch liegt (die Mutter des Kindes ist arbeitslos und den ganzen Tag zu Hause). Leider wollen manche (nicht alle!) Eltern ihre Kinder aber wirklich nur um jeden Preis los werden, so traurig es klingt…
      Die Eltern sind außerdem sehr unzuverlässig: zwei Kinder sind diese Woche z.B. drei Mal ohne Uniform zur Schule erschienen, sodass wir die Eltern angerufen haben mit der Bitte, sie sollen die Kinder abholen lassen und umkleiden. Sie sind alledings nie erschienen (die Warnung, dass die Kinder den Tag im Büro der Schulleiterin verbringen, interessierte sie wenig). Ein Erstklässler hat sich diese Woche in die Hose geschissen. Wir riefen die Mutter an, die versicherte, ihn um 12:30 in ihrer Mittagspause abzuholen, aber nie auftauchte, sodass er in den selben Klamotten bis abends um 18:00 blieb, nachdem er vom Schulbus nach Hause gefahren wurde…
      Es ist schwer, einen Babysitter zu finden? Falsch, schick deine Kinder zu uns in die Schule und du bist sie los – ohne extra zu zahlen… -.-

      Ich möchte natürlich nicht zu sehr pauschalisieren. Die Kindern, mit denen wir hier zu tun haben, sind “besonders” und so auch die Eltern…

      Gruß,
      Dennis


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