Verfasst von: kinginmiami | 17. Oktober 2010

“zu Hause”, Couch Surfing, Park, Blues Band

„Home is, where you feel home“. Sagt man ja jedenfalls so. Ich habe mich erst nach 2 ½ Monaten in meinen vier Wänden richtig „zu Hause“ gefühlt. Ende des Monats hatte ich dann zum ersten Mal minimale Ansätze von Heimweh – was ja eigentlich ganz normal ist. Besonders morgens, wenn ich aufwachte, war es im Haus manchmal erdrückend still.
Ein paar Tage später die Überraschung: eine ganze „Familie“ musste für eine Woche in mein Haus einziehen, da sie Mäuse in den Wänden hatten. Von heute auf morgen lebte ich plötzlich mit 11 Kindern zusammen! Das war genau das, was ich brauchte: am Wochenende haben wir alle gemeinsam als Familie gefrühstückt, abends hatte ich die Hausmutter als nette Gesprächspartnerin und an den Wochentagen habe ich morgens meist ein wenig mit dem Zweijährigen gespielt, bevor ich zur Schule gegangen bin. Der einzige Nachteil war nur, dass einem die Babys und Kleinkinder manchmal auf die Nerven gehen konnten und ich mich in mein Zimmer zurückziehen musste, wenn ich zumindest ein wenig Ruhe haben wollte.
Jetzt weiß ich noch mehr zu schätzen, was für einen anstrengenden Job die Hauseltern haben, die jeden Tag mit den Kindern zusammen wohnen und was für ein Privileg es ist, ein Haus ganz für mich alleine zu haben.

Couchsurfing
Was ist die beste Art, eine Stadt von all ihren Seiten kennenzulernen? Richtig, man muss sie sich von einem Einwohner, der sich ein wenig auskennt, zeigen lassen. Deshalb ließ ich mich an zwei Sonntagen von je völlig fremden Personen, die bereit waren, mir „ihr Miami“ zu zeigen, mit dem Auto abholen. Beide sind Mitglieder einer gigantischen Internet-Community mit rund 2 Millionen Mitgliedern, die sich „Couch-Surfing“ nennt.
Das Ziel dieser Non-Profit-Gemeinschaft ist es u. A., den kulturellen Austausch zwischen Individuen aller Welt zu fördern und gleichzeitig eine günstige/besondere Übernachtungsmöglichkeit in einer fremden Stadt zu schaffen. Der Name Couch-Surfing kommt nämlich daher zustande, weil es auch die Möglichkeit gibt, bei jemandem für ein paar Tage zu übernachten und somit auf dessen Couch/Bett zu „surfen“. Mehr dazu könnt ihr hier lesen…

Adrian, der erste Couchsurfer, den ich traf, hat mir zunächst mit seinem Kumpel in South Beach die berühmte „Lincoln Road“, eine nette Fußgängerzone, gezeigt. Dort bin ich bereits ein Mal zuvor am späten Abend gewesen, aber tagsüber hat sie einen ganz anderen Charme… Danach haben wir einen netten Spaziergang am Strand gemacht und sind schließlich zu „Denny’s“, das bekannt für seine Pancakes ist, essen gegangen. Das ist eine weit verbreitete Restaurant-Kette; ein wenig gehobener, als Fast-Food, aber dennoch an der Grenze: die Raumaufteilung erinnert an ein Fast-Food-Restaurant (allerdings wären die gepolsterten Couchen dafür etwas zu nobel), man wird bedient, muss aber später am Tresen bezahlen und das Essen entspricht dem eines günstigen Restaurants.

South Beach Lincoln RoadSouth Beach Couch SurfingSouth Beach

Eine Woche später zeigte mir Danny, ein 25 jähriger Student, den Bezirk, in dem er aufgewachsen ist: Little Havana. Dort haben sich ca. in den 60ern die ersten Flüchtlinge aus Kuba angesiedelt. Seitdem ist es ein Armenviertel, in dem fast nur Hispanics wohnen. Für Miami ungewöhnlich, findet man dort viele Fußgänger, da sich die meisten Einwohner ein Auto nicht leisten können. Demnach haben viele Häuser auch keine Klimaanlage, sodass man Leute in ihren Vorgärten sitzen oder auf der Terrasse mit ihren Nachbarn quatschen sieht.
In der Hauptstraße „Calle Ocho“ befindet sich neben Zigarren-Läden u. A. auch ein altes Kino, eine schöne Kirche, und ein Domino-Park, in dem man alte Menschen in Ruhe spielen sieht. Die Zeit vergeht dort einfach langsamer… Dennoch sollte man sich in Little Havana nach Einbruch der Dunkelheit als Tourist nicht alleine blicken lassen.

Little Havanna HahnCalle Ocho Domino ParkLittle Havanna Calle OchoCalle Ocho Alte Männer

Danach hat mir Danny den Campus der „University of Miami“ gezeigt, an der er bereits seinen Bachelor in Musik gemacht hat. Viele Grünflächen und teure Palmen schaffen dort eine nette Lernatmosphäre – für die man rund 27.000 Euro pro Jahr (exklusive Bücher) zahlen muss. Aufs College zu gehen ist in den USA generell sehr teuer; die günstigste Uni wäre für einen 8 semestrigen Studiengang mindestens 3.000 Euro und für einen 4 semestrigen Studiengang mind. 16.000 Euro pro Jahr – ohne Bücher. Da kann man sich in Deutschland über Studienkosten eigentlich nicht beschweren…
Danny und ich
Abends sind wir dann ins “Versailles”, ein günstiges kubanisches Restaurant, gegangen, das sogar auch in meinem Reiseführer empfohlen wird. Dort habe ich u. A. „mariquitas“, eine Art Bananen-Chips, probiert. Sie wurden traditionell mit einer Knoblauchsoße serviert, die für meinen Geschmack aber viel zu stark war.

Bananen Chips - VersaillesVersailles Restaurant Miami

In meinem Fotoalbum befinden sich noch viel mehr Fotos von allen Ausflügen!

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IBB College-Gruppe
An einem schönen Samstag bin ich mit einem Kumpel spontan zu einem nahegelegenen Park gefahren (CBS Smith Park), wo wir uns ein Tretboot ausgeliehen haben. Jenseits von Kindergeschrei konnte ich dort in aller Ruhe die Natur genießen…

CBS Smith ParkCBS Smith Park - JulioCBS Smith Park

Am selben Tag sind wir mit dem Rest der Clique in eine Bar in South-Beach gegangen, da dort eine Band live spielte, die den Blues echt im Blut hat! Schaut einfach die folgenden Videos und überzeugt euch selbst…


Sonstiges
Mir ist immer wieder aufgefallen, dass die Amerikaner sehr locker, gesprächig und kontaktfreudig sind. Sei es im Fahrstuhl, in der Warteschlange, an der Bushaltestelle oder im Einkaufsgeschäft: eine Unterhaltung wird sehr schnell angefangen. Wenn man dann noch erzählt, dass man aus Europa ist, sind sie ganz begeistert.
Zum Thema Bildung: Ob Hitler noch lebt oder die Mauer noch steht, wurde ich noch nicht gefragt. Das liegt wahrscheinlich aber auch daran, dass ich hier eher von gebildeten Menschen umgeben bin. Mir wurde bisher nur die Frage gestellt, ob man in Deutschland Religionsfreiheit hat und auf welcher Seite die Autos fahren. Über den Inhalt im Schulunterricht und das Schulsystem werde ich demnächst aber noch mehr berichten – schließlich erlebe ich das 5 Tage die Woche…

Das Wetter ist momentan übrigens traumhaft: es ist schön warm aber nicht zu heiß und der Himmel ist meist wolkenlos. Hin und wieder ist dann zwar ein tropischer Regensturm angekündigt, weshalb wir die Schule bereits ein Mal (umsonst) auf eine Flut vorbereiten mussten und früher nach Hause gehen durften, aber damit kann man leben…
Miami Kürbis
Das nächste große Event, das hier ansteht, ist Halloween. Bereits Anfang des Monats sah ich in South-Beach etliche Erwachsene, die sich als Untote verkleideten und selbst noch in Mac Donald’s ganz in ihrer Rolle mit Zombie-Lauten kommunizierten.

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