Verfasst von: kinginmiami | 24. September 2010

Schule, College-Group und Tiere

20:10 Uhr, Miami Gardens. Ich bin vor circa einer viertel Stunde nach Hause gekommen und fange jetzt an, diesen Artikel zu schreiben. Heute habe ich von 9 Uhr bis 18 Uhr gearbeitet; danach bin ich direkt in eine der Familien auf dem Campus zum Abendessen gegangen. Nach solch einem langen Tag ist man sowohl physisch, als auch psychisch sehr erschöpft. Ganz besonders heute, da extreme Regenfälle in der letzten Nacht die Klimaanlage der Schule für ca. 6 Stunden lahm gelegt haben, was eine unerträgliche Schwüle in den Klassenzimmer verursachte.

Montags, mittwochs und freitags fange ich offiziell um 9 Uhr; dienstags und donnerstags erst um 10 Uhr an. Offiziell arbeite ich bis 17.30 Uhr, verlasse die Schule aber eigentlich nie vor 17.50 Uhr, da ich meinen Klassenraum säubern und alle Mülleimer leeren muss. Dazu kommen dann abends manchmal noch „Hausaufgaben“: jedes Mal, wenn sich ein Kind vollkommen daneben benimmt, ausrastet oder jegliche Kooperation verweigert, muss ein „Behavior-Report“ (Verhaltens-Report) geschrieben werden – das heißt ein zweiseitiges Dokument ausfüllen und das ganze Geschehen auf einem zusätzlichen Blatt detailliert beschreiben. Dieses Vergnügen hatte ich bereits 8 Mal, was mich je circa 45 Minuten gekostet hat. Die Dokumentation ist sehr wichtig, da diese Papiere später als Hilfe für (Haus)eltern, Therapeuten, Ärzte und Case-Manager dienen. Ja, dieser Freiwilligendienst ist wirklich kein Zuckerschlecken.
Nicht alle Kinder in der Schule leben hier im Kinderheim, aber fast alle von ihnen sehen regelmäßig einen Therapeuten. Das hat ein Mädchen (3. Klasse) aus meiner After-School-Gruppe auch dringend nötig. Sie hat vor ein paar Tagen eine brennende Kirche gemalt. Als ein Angestellter sie fragte, wer das Feuer gelegt hat, sagte sie „Ich. Weil dort gemeine Leute sind“. Die Frage, ob diese Menschen momentan in der brennenden Kirche sind, bejahte sie.
Manche Schüler sind extrem frech und trauen sich unglaubliche Kommentare. Als ich ein Mädchen z.B. aufforderte, ihre Schuhe wieder anzuziehen, antwortete sie: „Talk to my foot!“ (= „Sprich mit meinem Fuß!“). Ein anderes Mal bat ich sie im Klassenraum darum, sich hinzusetzen, worauf sie sich mit verschränkten Armen auf ihren Stuhl stellte und „ich sitze“ sagte. Voller Wut hat mich eine Drittklässlerin beschimpft und auf Spanisch geschrien, dass „ich nicht wüsste, wie ich meinen eigenen Hintern abwische“. Ein „Nein!“ oder „ist mir egal“ hört man ebenfalls oft. Manchmal ignorieren die Schüler aber auch, dass man bereits drei Mal ihren Namen gesagt hat und möchte, dass sie sich zu einem umdrehen. Gerade stehen und dabei dem Erwachsenen in die Augen gucken, wenn er mit ihnen redet, fällt sowieso vielen Kindern schwer.
Streit gibt es zwischen ihnen natürlich sehr häufig. Dabei wurde es mehrfach auch handgreiflich, sodass ich bereits ein Mal einen der Griffe, die ich im Kriseninterventions-training vor dem Schulbeginn gelernt habe, anwenden musste.

Mittlerweile weiß ich sehr genau, wie sich eine 40-Stunden-Arbeitswoche anfühlt und schätze nach fünf harten Tagen mein freies Wochenende sehr, freue mich aber montags dennoch auf eine weitere Woche mit neuen Herausforderungen.
Ich wurde mehrfach gefragt, ob man dabei mit der Zeit nicht die Motivation verliert, denn die Kinder sind wirklich alles andere als dankbar. Momentan muss ich aber sagen, dass das glücklicherweise noch nicht der Fall ist, da ich in einigen Schülern nach ein paar Wochen bereits eine Verbesserung gesehen habe. Der Grund, warum ich hier bin, ist schließlich, um den Kindern zu helfen. Man muss lediglich immer im Kopf haben, dass viele von ihnen komplett ohne Sozialkompetenz zur Schule kommen und diese erst erlenen müssen. Das ist z.B. ein Resultat von Vernachlässigung, wofür man die Kinder nicht verantwortlich machen kann.

Die Schule hat jetzt übrigens einen neuen Lehrer angestellt, wodurch die Klassen räumlich neu aufgeteilt wurden: Kindergarten + 1. Klasse, 2. + 3. Klasse, 4. + 5. Klasse, 6. Klasse, 7. + 8. Klasse.

Das Klassenzimmer der 2. und 3. Klasse

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College-Group

Die IBB College-Group, von der ich im letzten Blogeintrag berichtet habe, hat mich sehr gut aufgenommen. Wir treffen uns wöchentlich und wollen demnächst auch etwas gemeinsam unternehmen. Vor rund 3 Wochen haben wir eine Party in dem Haus eines der Mitglieder gefeiert. Wie man auf dem Foto sehen kann, liegt das Grundstück direkt an einem See. Der Besitzer hat mir erzählt, dass er in den 20 Jahren, in denen er dort schon lebt, erst ein Mal einen Alligator im Nachbarsee gesehen hat -  ist ja beruhigend… Dennoch bin ich meinen Freunden ins Wasser gefolgt und habe die Erfrischung genossen. Anschließend wurden mir beim Grillen kolumbianische Hotdogs vorgestellt (Brot, Wurst, Ketchup/Senf, kleine harte mini-Pommes und Ananas-Marmelade), die überraschend gut schmeckten.
IBB College-Group

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Wilde Tiere in Miami

Als ich Montag die Tür meines Schlafzimmers öffnete, konnte ich meinen Augen nicht trauen: eine fast 30 Zentimeter lange Schlange befand sich auf dem Boden direkt neben meinem Bett. Gelähmt vor Schock starrte ich sie an und beobachtete, wie sie in einem Loch in der Wand verschwand. Verständlicherweise hatte ich Angst, eine weitere Nacht in diesem Zimmer zu schlafen, also musste ich handeln. Schließlich kann man ja nie wissen, ob es noch mehrere Löcher gibt, durch die die (eventuell giftige?) Schlange kommen und mich im Schlaf überraschen könnte.

Nach kurzem Überlegen griff ich nach einer Art Anti-Bakterien-Spray (wird mehr schaumig) und kniete mich vor das Loch. Dann sprühte ich direkt hinein, weshalb nach einigen Sekunden die Schlange heraus schoss. Etwas verwundert, dass meine Idee funktionierte, nahm ich spontan eine durchsichtige Sandwich-Ziploc-Tüte und eine Gabel, um die Schlange schließlich erfolgreich einzufangen. Es handelte sich übrigens um eine „Rat-Snake“ bzw. „Corn-Snake“, die nicht giftig und in einigen Haushalten angeblich sogar erwünscht ist, da sie kleine Mäuse frisst. Morgen wird mich ein Freund zu einem Tierladen fahren, um die Schlange zu verkaufen. Ich bin gespannt, ob sich dieser Plan lohnt…

In mein Haus haben sich aber auch schon andere Tiere verirrt:

Weitere (Tier)fotos befinden sich rechts in meinem Fotoalbum. Dort sind ebenfalls Bilder von einem Ausflug zum Hollywood-Beach, Miami Mainstreet und Pembroke Gardens (einer Shopping-Meile) zu sehen…

Das Wetter ist in den letzten Wochen ein wenig abgekühlt. Tagsüber sind es im Schnitt „nur noch“ zwischen 27° und 31° Celsius und es ist ein wenig windiger.

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Ich wurde darum gebeten, Vorurteile über die Amerikaner zu bestätigen oder zu verwerfen. Dafür würde ich aber zunächst von meinen Lesern gerne wissen, welche Vorurteile so alles existieren und diese sammeln. Postet diesbezüglich bitte alle Fragen als Kommentar zu diesem Artikel.
Für Anregungen bin ich übrigens immer offen…


Antworten

  1. Hallo Dennis,

    die Tierbilder sind super, besonders der Kleine auf Deinem Finger! Und wenn man weiss, dass die Schlange ungiftig ist, kann man direkt sagen, sie hat ein sehr hübsches Muster!

    Ich glaube, es ist sehr interessant, alles das zu schildern, was Dir bei Deinen Gastgebern und im Gastland positiv auffällt, alle guten Eigenschaften und Beobachtungen. Das finde ich spannender als das Thema Vorurteile.
    Liebe Grüße von Sabine

  2. Tu mir bitte einen Gefallen und mach ab und zu einen Absatz in deine Texte, dann sind sie einfacher zu lesen.

    Zum Thema Vorurteile.:

    Also meine Bekannten die schon in den USA waren sagen das die Amis recht “hohl” sind und den Eindruck den ich aus einseitigen Medien bekomme ist das der Amerikaner sehr ungebildet ist.

    Vllt kannst du dazu mal Stellung nehmen, achja du solltest deine Handynummer auch nicht unbedingt ins Netz stellen…

    Gruss

  3. Wie schaut es denn aus mit Vorurteilen um das Europa- und Deutschlandbild der Amerikaner?
    Lebt Hitler und steht die Mauer noch? ;-)
    In England war die erste Assoziation zu Deutschland entweder Militäraufenthalte nach dem Krieg oder Fußball :D

    Ist Politik (Obama, Gesundheitsreform etc.) ein öffentliches Gesprächsthema?

    Vielleicht wäre mal ein Beitrag über die Sprache interessant (Sprichwörter und Umgangssprache die man hier nicht kennt).

  4. Ich finde es gut, dass Du so viel Verständnis für die Kinder aufbringst, auch wenn sie sich nicht sehr dankbar verhalten. Das würde sicher nicht jeder schaffen, viele würden sicherlich sauer werden und ihr Ziel aus den Augen verlieren. Weiter so ;)

    Ich würde gern ein Vorurteil hier lassen, aber Ich habe keins :D

    Viele Grüße aus dem kalten und verregneten Deutschland


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