Verfasst von: kinginmiami | 3. August 2010

Hollywood-Beach und Ocean Drive

Morgen ist es auf den Tag genau ein Monat her, dass ich hier im Kinderheim angekommen bin. Die Grenze von 3 Wochen, die ich bisher in meinem Leben ohne Familie/Freunde verreist war, ist längst überschritten und es geht mir immer noch sehr gut. ^^ In meinen Träumen kommen jetzt sogar immer mehr und mehr englische Sätze vor…

Hollywood-Beach und Ocean Drive

Letztes Wochenende wollte ich endlich mal im Ozean baden gehen und den Campus OHNE Kinder verlassen. Deshalb habe ich eine Angestellte des Kinderheims gefragt, wie ich am besten mit dem Bus zum Strand komme. Daraufhin rief sie aber spontan ihre Schwester an und fragte sie, ob sie nicht Lust habe, mir Miami zu zeigen. Diese erwiderte und holte mich am nächsten Tag zusammen mit ihrem Freund vom Campus ab. Gemeinsam fuhren wir dann zum Hollywood-Beach, wo wir mit zwei weiteren Freunden von ihr verabredet waren. Nachdem wir in den fast 2 Meter hohen Wellen gebadet hatten, gingen wir in eine Strandbar, um Tacos zu essen. Dort probierte ich dann auch mein erstes „amerikanisches Bier“. Geschmack und Geruch kann man ja bekanntlich schwer beschreiben, aber wer das selbe Erlebnis wie ich haben will, muss sein Bier einfach nur im Verhältnis 1 zu 2 mit Wasser mischen…
Hollywood-Beach
Dann fing es – wie öfters in Miami – an zu regnen, weshalb wir in ein indisches Restaurant essen gegangen sind. Als es schließlich dunkel war, sind wir zum berühmten Ocean Drive in South Beach gefahren. Wie man es sich vorstellt, fuhren dort teure Autos und Frauen auf Inline-Skatern durch die Straße, die Bürgersteige waren voller Leute und die Hotels/Bars erhellten die Nacht in allen Farben. Diese Atmosphäre kann man allein mit Bildern kaum einfangen. Abgerundet wurde der Abend dann noch durch einen Besuch in einer Reggae-Bar mit Live-Musik.
Ocean Drive at nightOcean Drive at night

Sommer-Camp

Donnerstag war DER große Tag des Sommercamps: wir haben einen Ausflug nach Key Largo gemacht. Dort sind die jüngeren Kinder und die Nicht-Schwimmer mit einem Glas-Boden-Boot gefahren und die älteren Kids sind schnorcheln gegangen. Ich hatte das Glück, zu den Betreuern zu gehören, die die Schnorchel-Gruppe begleiteten.

Zunächst fuhren wir mit einem Boot weit ins Meer hinaus. Nach einem Schnorchel-Crashkurs an Bord ging es dann ins Wasser und nur wenige Minuten später fand ich mich inmitten eines Fischschwarms wieder. Die blau-gelben Freunde waren wortwörtlich zum Greifen nahe – also praktisch wie im 3D-Kino, nur halt real. Allerdings blieb es für mich meist bei farbigen, unscharfen Umrissen. Nie in meinem Leben zuvor habe ich mich so darüber geärgert, Brillenträger/kurzsichtig zu sein, wie an diesem Tag. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie viel schöner diese Fische mit Kontaktlinsen ausgesehen hätten…

Emotionales:

Je mehr man mit den Kindern außerhalb des Sommer-Camps, also „privat“ in den Familien, zu tun hat, desto offener werden sie und desto mehr erfährt man über ihre Vergangenheit, Gefühle, Gedanken und Wünsche.
Vor einiger Zeit habe ich z.B. einem Jungen in seinem Zimmer geholfen, seine Klamotten einzusortieren und zu falten. Dabei haben wir ein lockeres Gespräch über Mädchen/Freundinnen geführt und er hat mir erzählt, dass er viel lieber adoptiert werden, als zu seinem Vater zurück gehen möchte. Diese Information hatte für mich einen bitteren Beigeschmack, denn ich weiß, dass die Chancen, adoptiert zu werden, für einen afro-amerikanischen, männlichen Teenager leider eher schlecht stehen. Andererseits zeigte mir diese Situation, dass ich hier mit meiner Hilfe etwas bewegen kann, denn solch ein Gespräch hätte er garantiert nicht mit seiner Hausmutter geführt – und wer weiß, vielleicht hat es ja mehr bewirkt, als eine Stunde bei seinem Therapeuten (bei dem er laut Aussage seiner Hausmutter so gut wie nichts sagt)…
Ein weiterer Moment, in dem ich erst mal kurz schlucken musste, war vor ein paar Tagen, als mir ein 10 ca. jähriger Junge erzählt hat, dass ihn sein Vater damals mit einem Gürtel geschlagen hat.

Es gibt aber auch sehr schöne Momente:
Am Freitag habe ich nach meinem „Feierabend“ einem ca. 5 jährigen Jungen dabei geholfen, das Fahrrad fahren zu üben bzw. den selbstständigen Start zu erlernen, was ihm sichtlich große Freude bereitet hat. Würde ich hier meinen Freiwilligendienst nicht leisten, hätte dieses Kind auf diesen Spaß vermutlich verzichten müssen, da seine Pflegeeltern im Haus beschäftigt waren.
Am selben Tag haben sich im Sommer-Camp 3 Kinder von allen Gruppen und Betreuern verabschiedet, da sie adoptiert worden und in einen anderen Bundesstaat ziehen werden. Dies war für mich ein bitter-süßer Abschied: einerseits freut man sich zwar für die Kinder und weiß, dass eine Adoption so ziemlich das Beste ist, was ihnen passieren kann, andererseits fällt einem der Abschied nach fast 4 Wochen aber doch nicht sehr leicht – schließlich habe ich noch vor kurzem ihren Geburtstag mitgefeiert (es sind dieselben Kinder, die ich im vorigen Bericht erwähnt habe)…


Antworten

  1. Hallo Dennis, schön, jede Woche von dir zu hören bzw. zu lesen. Es ist richtig spannend und ich freue mich jetzt schon auf deinen nächsten Beitrag. Ich glaube, ich muss dich nicht fragen wie es dir geht. Man liest es aus deinen Zeilen, dass es dir gut geht und du nette Leute um dich rum hast. Also mach es gut und wir hören bzw. schreiben uns wieder.

    L. G.
    M. Schlier

  2. Hey,
    cool, dass es dir dort Spaß macht. Hast du eigendlich gar keine Schlafprobleme wegen der Zeitverschiebung und so?

    • Naja, die ersten 2 Tage war ich abends sehr müde, weil wir hier ja 6 Stunden zurück sind. Sprich: abends um 21:00 war mein Körper noch das deutsche 3:00 gewöhnt… Aber ganz abgesehen davon schlafe ich hier prima und träume auch immer mehr und mehr auf Englisch… ;)

  3. hi dennis

    ich hatte dieses mal keine zeit deinen bloq zu lesen..

    ich werde mir aber definitiv noch zeit dafuer nehmen!
    zurzeit wechselt das bei mir immer rum ich bin ein wochenende in berlin, eins in braunschweig.. das heisst jede 2te woche in berlin..
    und dieses mal war ich in braunschweig.. mein cousin wurde 18 am wochenende .. und da ich der aelteste war musste ich natuerlich den grossen bruder spielen ^^

    Beim bund laeuft bisher immer noch alles gut.. es gibt immer wochen wo ich richtig gelobt werde und mich alle feiern.. aber es gibt auch wochen (wie die hier) wo ich extrem angeschissen werde.. weil ich quer durch die schiessbahn gelaufen bin (ich hatte iwie die orientierung verloren und das ganze rumgeschreie hatte mich nervoes gemacht).. naja und das mit der gasmaske hab ich auch noch nicht ganz gecheckt :/

    sollte ich wegen meinem studium 2 jahre warten muessen.. ueberlege ich mich verpflichten zu lassen.. das ist natuerlich ueberhaupt nicht das was du super gut findest.. aber warum ich mir das ueberlege.. das erzaehl ich dir dann mal iwann in ruhe :)

    aber ersteinmal.. bzw bis dahin..
    alles gute!!

    weicai


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